Pressemittelung Buschberghof in Fuhlenhagen
Mit der Preisverleihung 2009 des Förderpreises Ökologischer Landbau an den Buschberghof wird eine Arbeit gewürdigt, die 1954 mit der Umstellung auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise begann und sich 2008 in drei Jubiläen widerspiegelte, die den Pioniercharakter des Buschberghofes kennzeichneten.
Der Buschberghof in Fuhlenhagen, Kreis Herzogtum Lauenburg – ein landwirtschaftlicher Betrieb mit großer Vielfalt in Pflanzenbau und Tierhaltung auf 100 Hektar – ist 40 km östlich von Hamburg gelegen, es leben und arbeiten dort heute ständig 30 bis 40 Menschen.
1968 wurde der Hof aus Privateigentum unentgeltlich in gemeinnützige Trägerschaft übereignet und wurde somit zum Vorbild für viele weitere Betriebe. Auf Dauer ist auf diese Weise die biologisch-dynamische Wirtschaftsweise auf dem Hof sichergestellt. Durch die Trennung von Eigentums- und Wirtschaftsstruktur wurde notwendig, auch Nicht-Landwirte in die Verantwortung für die Landwirtschaft einzubinden und damit ein neues Verhältnis von Menschen aus der Stadt und auf dem Land herzustellen.
1973 wurde mit der Betreuung von Menschen mit Behinderung auf dem Buschberghof begonnen, und es wurden hierdurch neue sinnvolle Lebens- und Arbeitsplätze geschaffen.
1988 wurde die Wirtschaftsgemeinschaft Buschberghof gegründet, die sich die Aufgabe gestellt hat, die Betriebskosten der Landwirtschaft für jeweils ein Wirtschaftsjahr vorzufinanzieren und somit die Landwirtschaft auf dem Buschberghof freizuhalten von den Zwängen der Marktwirtschaft. Auf diese Weise ist es den Landwirten möglich, eine Landwirtschaft zu betreiben, die sich an ihren eigenen Regeln und Gesetzen orientiert, ohne sich einem Vermarktungszwang stellen zu müssen.
Die Vorfinanzierung der Landwirtschaft durch einen Verbraucherkreis – unter dem Namen Community Supported Agriculture weltweit bekannt – wurde in Europa zuerst auf dem Buschberghof praktiziert und der Hof wurde hierdurch zum Vorreiter dieser Bewegung in Europa.
In der Rückschau erscheinen die Entscheidungen, die 1954, 1968, 1973 und 1988 fielen, als logische Abfolge, die aber zu den jeweiligen Zeitpunkten nicht absehbar waren. Aus heutiger Sicht hat aber eine Entwicklung stattgefunden, die mit stetiger Konsequenz Merkmale aufweist, die für einen modernen ökologischen Landbau unabdingbar sind.
- Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit: Ohne Markt-Erntezwang kann man sich auf die Erhöhung der Bodenfruchtbarkeit konzentrieren, der Boden wird somit zur Sparkasse des Betriebes, aus deren Kapital sich auch auf lange Sicht eine Verzinsung in der Produktion ergeben wird. Die erfolgreicheren Ernten müssen nicht unmittelbar zur Refinanzierung eingebracht werden, sondern fallen gewissermaßen durch die Arbeit am Boden an, ebenso wie die auf dem Hof für 350 Menschen erzeugten Lebensmittel, die aus dieser Arbeit gewissermaßen von selbst entstehen.
- Die Erzeugung von Lebensmitteln für einen festen Verbraucherkreis erfordert eine Vielfalt in der Produktion, deren Betriebszweige jeder für sich nach betriebswirtschaftlichen Kriterien unrentabel wären, die aber in ihrer Komplettheit ein sinnvolles Ganzes ergeben.
Als Beispiele können hier gelten:
- Ein Gemüsebau mit über fünfzig Kulturen, um ein vielfältiges Gemüseangebot bereitzustellen.
- Die Haltung von Rotvieh alter Angler Zuchtrichtung – bedrohte Tierrasse des Jahres 2002 –, die letzte komplette Herde dieser Rasse weltweit, die aber die Bedürfnisse der Wirtschaftsgemeinschaft auf ideale Weise erfüllen kann.
- Eine Geflügelhaltung auf die Bedürfnisse der Verbrauchergemeinschaft zugeschnitten, die in jedem marktwirtschaftlich zugeschnittenem Betrieb unrentabel wäre.
- Die Haltung von Angler Sattelschwein – wiederum eine bedrohte Nutztierrasse, die aber den Fleisch-, Wurst-, Speck- und Schinkenbedarf der Verbrauchergemeinschaft befriedigt.
- Eine Getreideverarbeitung inklusive Mahlens und Backens in einer auf die Verbrauchergemeinschaft zugeschnittenen Größenordnung
- Eine Milchverarbeitung und Käserei, deren Qualitätsprodukte herausragen, welche aber im freien Handel nicht zu bekommen sind.
Qualität und Vielfalt der Produktion ergeben sich nicht aus einem Vermarktungszwang, sondern sie entstehen aus sich heraus: Aus einer Arbeit am Boden, an den Pflanzen und den Tieren und durch die Verarbeitung dessen, was Boden, Pflanze und Tier hervorbringen.
Die Menschen mit Behinderung, die auf diesem Betrieb leben und mitarbeiten, erfahren, dass ihre Arbeit Menschen zugute kommt, die ihre Lebensgrundlage von diesem Hof beziehen, sie arbeiten für eine nicht-anonyme Gruppe von Menschen und ihre Arbeit wird konkret gewürdigt, ob beim Milch Abfüllen oder bei der Frischkäsezubereitung oder etwa im Gemüsebau.
Die Menschen, die die jährlichen Betriebskosten aufbringen und sich vom Buschberghof versorgen lassen, erfahren täglich den Wert ihrer Lebensmittel, aber sie kennen keinen Preis für das einzelne Produkt, sondern nur den Preis für die Landwirtschaft als Ganzes.
Landwirtschaftliche Arbeit in Freiheit ohne wirtschaftlichen Zwang ist auf dem Buschberghof seit 1988 verwirklicht und schafft auf moderne Weise neue Perspektiven für den ökologischen Landbau. Somit stellt der Buschberghof durch seine Eigentümer- Bewirtschaftungs- und Vermarktungsstruktur eine Besonderheit dar, die Modellcharakter für andere ökologisch wirtschaftende Betriebe hat.
Im letzten Jahr haben sich außer den vier in Deutschland so wirtschaftenden Betrieben drei weitere Höfe diesen Zukunftsfragen gestellt und beginnen heute den Weg zu gehen, den der Buschberghof seit 1954 eingeschlagen hat.
Kontakt:
Buschberghof
21493 Fuhlenhagen
Telefon: 04156-7132 oder 04156-270
E-Mail: hildebrandt.karsten@t-online.de


