Gut Hirschaue
Pressemitteilung Gut Hirschaue
Das Gut Hirschaue wurde auf der Grünen Woche von Dr. Gerd Müller, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV), mit dem dritten Platz des Förderpreises ökologischer Landbau 2008 ausgezeichnet. Der Preis wurde dem Bioland-Betrieb für die praxisgerechten Leistungen zur Weiterentwicklung der EG-Öko-Verordnung im Bereich der Wildtierhaltung überreicht.
Das Unternehmen in Birkholz bei Beeskow (Landkreis Oder-Spree) bewirtschaftet 175 ha Landfläche nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus. Davon werden 125 ha als Gehegefläche für etwa 1000 Stück Damwild, 100 Stück Rotwild und 250 "Märkische Sattelschweine" genutzt.
1992 - Neuanfang fernab industriemäßiger Tierproduktion
Nach der Wiedervereinigung entschloss sich der Brandenburger Landwirt Hartmut Staar zur Gründung eines eigenen Biobetriebes. "Während meiner landwirtschaftlichen Tätigkeit zu DDR-Zeiten habe ich erfahren, was industriemäßige Tier- und Pflanzenproduktion bedeutet. Ich war davon überzeugt, dass auf unseren leichten Böden auch eine Bewirtschaftung ohne den Einsatz synthetisch erzeugter Pflanzenschutz- und Düngemittel möglich ist, wie es schon unsere Vorfahren bewiesen haben", so Staar. Mit dem Gründungspartner Matthias Schrader entschied man sich, ein Nischenprodukt zu erzeugen: Wild aus landwirtschaftlichen Gehegen. Mit der Einzäunung der ersten 100 ha Ackerland und dem Einzug von 250 Stück Damwild im Jahre 1992 war die ökologische Gatterwildhaltung auf Gut Hirschaue geboren.
Umsetzung landschaftskultureller Maßnahmen
Zum Schutz der Tiere, die sich ganzjährig im Freien aufhalten, wurden elf Kilometer Hecken mit 14.500 Bäumen und Sträuchern gepflanzt. Auf einer nahezu zusammenhängenden Ackerfläche der wenig strukturierten Beeskower Platte entstand so eine parkähnliche Landschaft mit mehreren fünf bis neun ha großen Gattern. Durch die umfangreichen Pflanzmaßnahmen und das Anlegen von Kleinbiotopen, wie Feldsteinlesehaufen und Benjeshecken, wurden neue Lebensräume für verschiedenste Kleinlebewesen, Vögel und Säugetiere geschaffen.
Die ökologische Wirtschaftsweise, jährliche Biotoppflegemaßnahmen an Gräben und Hecken, die Schaffung von Nistmöglichkeiten für Vögel, der Einsatz naturschonender Landtechnik sowie die späte erste Mahd auf ca. 60 Prozent der Weideflächen im Gehege tragen zur Erhöhung der Biodiversität bei.
Besonderheiten und Innovationen
Wurden die meisten Wildgehege Deutschlands auf reinem Dauergrünland angelegt, kann der Speiseplan für die Tiere auf dem Gut Hirschaue abwechslungsreich gestaltet werden, da auf dem Ackerland eine sechsjährige Fruchtfolge mit wechselnden Futterkulturen zur Beweidung eingehalten wird. Im vierten Jahr dieser Fruchtfolge werden die Weideflächen vom "Märkischen Sattelschwein", einer hofeigenen Gebrauchskreuzung aus Wildschwein und dem Deutschen Sattelschwein, umgebrochen. Mit dem "Märkischen Sattelschwein" wird die Biofleisch-Palette um ein interessantes Angebot erweitert. Die Tiere werden ausschließlich extensiv im Freiland aufgezogen. Sie sorgen für eine natürliche Unkrautregulierung auf den Flächen, bevor im Folgejahr Mais zur Beweidung durch Dam- und Rotwild angebaut wird.
Ziel ist es, nur so viel Dam- und Rotwild zu halten, wie über das ganze Jahr von den Gehegeflächen ernährt werden kann. Daraus ergibt sich ein komplett geschlossener Nährstoffkreislauf bei niedrigem Tierbesatz. Die großzügige Gehegestruktur und -einrichtung unterstützt das Ausleben artspezifischer Verhaltensweisen. Aufgrund der weitläufigen Flächen mit niedrigem Tierbesatz hat das Wild gute Rückzugsmöglichkeiten. Stresssituationen werden dadurch unterbunden. Die Bewirtschaftung der Gatterflächen richtet sich nach den saisonalen Besonderheiten bei Dam- und Rotwild. So werden die Weideflächen vorerst nicht übermäht, wenn im Frühsommer die ersten Kälber zur Welt kommen, um den Jungtieren ausreichend Schutz im hohen Gras zu gewähren.
Wissensvermittlung und Erholungswert
Über die Mitgliedschaft im Verband landwirtschaftlicher Wildhalter fungiert das Gut Hirschaue als Konsultationsstützpunkt für ökologische Gatterwildhaltung und unterstützt den Wissenstransfer mit anderen Wildhaltern. Bei der Erstellung der Bioland-Richtlinien zur Haltung von Dam- und Rotwild konnte das Gut Hirschaue seine langjährigen Erfahrungen einbringen.
Wissenschaftskooperationen bestehen mit unterschiedlichen Institutionen. So wurden Untersuchungen zur stressarmen Tötung von Damwild in landwirtschaftlichen Gehegen und zu Reproduktions-, Mast- und Schlachtleistungen an Märkischen Sattelschweinen durchgeführt.
Das gesamte Wildgehege ist von einem ausgeschilderten Wanderweg, entlang an Gräben, Teichen und abwechslungsreichen Gehölzen, umgeben. Die an mehreren Stellen erhöht angelegten Aussichtspunkte ermöglichen dem Besucher ungestörte Tierbeobachtungen. Schautafeln entlang des Weges informieren über Biotope mit ihrer Flora und Fauna, die Lebensweise der Wildtiere auf Gut Hirschaue und die ökologische Wirtschaftsweise.
Jeden Sonntag um 10.00 Uhr finden öffentliche Führungen durch die Gehegeanlage statt. Für Gruppen werden Sonderführungen zu Fuß oder mit dem Kremser angeboten. Hier können sich die Besucher über die ökologische Gatterwildhaltung informieren. Das macht die speziellen Produktionsabläufe für alle Interessenten transparent.
Entwicklung im Bereich Verarbeitung und Dienstleistung
1997 wurde die eigene Fleischerei mit angeschlossenem Hofladen in Betrieb genommen. Die Tiere, die im Gehege geschossen werden, können hier direkt, ohne zusätzliche Transportwege, weiter verarbeitet werden. Das gewährleistet Frische und hohe Qualität der Erzeugnisse. Damit gehört das Gut Hirschaue zu den wenigen Landwirtschaftsbetrieben in Brandenburg, die ihre Erzeugnisse auch selbst verarbeiten. Zur Vervollständigung des Wildfleischangebotes wird auch Wildbret aus der freien Wildbahn, wie Reh, Mufflon oder Wildschwein, von den umliegenden Forstbetrieben verarbeitet. Dieses Fleisch und daraus hergestellte Wurstwaren werden ohne Biodeklaration vermarktet.
Alle Produkte können direkt im Hofladen, am Verkaufsmobil auf regionalen Märkten und bei ausgesuchten Wiederverkäufern erworben werden. Besucher des Gutes Hirschaue haben seit 2001 die Möglichkeit, fertig zubereitete Wildgerichte in der hofeigenen Gaststätte zu probieren.
Das Unternehmen im strukturschwachen Osten Brandenburgs beschäftigt heute 15 Mitarbeiter in den Bereichen Landwirtschaft, Verarbeitung und Dienstleistung. Auch ihrer engagierten Mitwirkung ist es zu verdanken, dass das Gut Hirschaue in diesem Jahr mit dem begehrten Preis ausgezeichnet wurde.
Kontakt
Henrik Staar
Gut Hirschaue
An der Hirschaue 2
15848 Rietz-Neuendorf / OT Birkholz
Tel.: 0177/7992531
E-Mail: Henrik.Staar@gut-hirschaue.de



