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Gut Wulfsdorf
Bornkampsweg 39
22926 Ahrensburg
Tel.: (04102) 51109
Fax: (04102) 823 012
info@gutwulfsdorf.de
www.gutwulfsdorf.de

Gut Wulfsdorf

Pressemitteilung Gut Wulfsdorf

Die Auszeichnung gilt zum einen der erfolgreichen wirtschaftlichen Entwicklung seit der Umstellung auf die biologisch-dynamische Landwirtschaft. Zum anderen werden die vielfältigen Impulse gewürdigt, die über die Grenzen des Betriebes hinaus wirken. Georg und Elisabeth Lutz pachtete das Gut 1989 von der Stadt Hamburg. Es bot durch seine Lage am Stadtrand vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten. Die 1907 erbaute Hofanlage war bei Übernahme abgewirtschaftet und verödet. Mit immensem Engagement und wenig Eigenkapital wurden im Laufe der Jahre viele der Hofgebäude neu- und umgebaut und das Hofgelände schön und besucherfreundlich gestaltet.
Die Milchkuhhaltung wurde neu eingerichtet. Dafür wurde der alte Anbindestall in einen Laufstall umgewandelt. Seitdem ist die Milchkuhherde mit ihrem Nachwuchs das Herzstück des landwirtschaftlichen Betriebes. Das Herzstück der Vermarktung ist ein 2002 neu erbauter großer Hofladen mit Café und Metzgerei. Gleichzeitig wurde ein Holzhackschnitzel-Heizwerk, das den ganzen Hof versorgt, in Betrieb genommen. Das Heizmaterial wird durch die Knickpflege gewonnen, so dass der Betrieb über eine CO2-neutrale, autarke Wärmeversorgung verfügt.

Das Gut Wulfsdorf umfasst eine Gesamtfläche von 360 ha und wird biologisch-dynamisch bewirtschaftet. Angebaut werden Getreide, Speisekartoffeln, vielfältiges Gemüse und Futterpflanzen für die Tiere. Die landschaftlich reizvollen, naturnahen Weiden werden von der 270 Kopf zählenden Rinderherde genutzt. Außerdem werden 300 Schweine und 150 Gänse pro Jahr gemästet. Einige Pferde, Schafe, Hühner und Tauben runden das Bild der Viehhaltung ab.
Aufgrund der guten Erreichbarkeit und der besucherfreundlichen Gestaltung der Hofanlage entwickelte sich eine intensive Direktvermarktung, über die fast alle Hoferzeugnisse abgesetzt werden. Die vielseitige Produktpalette aus Getreide, Gemüse, Fleisch und Milcherzeugnissen wird auf kurzen Wegen vermarktet. Fleisch und Milch werden vor Ort verarbeitet. Darüber hinaus werden regionale Kunden durch die hofeigenen Marktstände in Hamburg und die Abokiste bedient. Die Unternehmen „Die Grüne Kiste“ und Hofmetzgerei Dreymann gründeten sich als Kooperationspartner auf dem Gelände von Gut Wulfsdorf. Hofladen, Metzgerei, Abokiste und der Marktstand mit Gemüse bedienen pro Woche je ca. 1400 Kunden.
Um Menschen aus dem Umkreis eine Basis für gemeinnütziges Engagement im Hofzusammenhang zu geben, wurde 1997 der Initiativkreis Gut Wulfsdorf e.V. gegründet. Dieser ist Einsatzstelle für das Freiwillige Ökologische Jahr (FÖJ) und organisiert Hofführungen. So können jährlich rund 3000 Kinder und Erwachsene näheres über die ökologische Landwirtschaft erfahren. Die Pflege von Biotopen in der Feldmark und die Organisation von Festen und kulturellen Veranstaltungen werden durch den Initiativkreis unterstützt.

Ein 6,5 Hektar großes Gelände mit Werkstätten und einigen Wohngebäuden in unmittelbarer Nachbarschaft des Gutes wurde 2004 zum Verkauf angeboten. Georg Lutz entwickelte zusammen mit weiteren Menschen aus dem Umfeld des Gutes ein Konzept zu dessen umweltverträglicher und standortangepassten Nutzung. Daraus entsteht zurzeit Norddeutschlands größtes ökologisches und soziales Wohnprojekt, die Allmende-Wulfsdorf. Es wird mittlerweile von 250 Bewohnern getragen, die dort leben und zum Teil auch arbeiten. Sie haben in gemeinschaftlicher Planung die Wohn- und Gewerbegebäude und ein attraktives Außengelände gestaltet. Das Projekt zeichnet sich durch eine Wärmeversorgung mit regenerativen Energiequellen, Regenwassernutzung, autofreien Kernbereich und viele gemeinschaftlich initiierte Aktivitäten aus.Eine ökologische Saatgutzüchtungsstation konnte durch die Kooperation mit dem landwirtschaftlichen Betrieb auf dem Allmende-Gelände angesiedelt werden. Hier wird vor allem an Gemüsesorten gearbeitet um deren Eignung für den biologisch-dynamischen Anbau zu verbessern. Durch die Vernetzung des Hofes mit dem Allmende-Projekt und mit dem benachbarten Naturschutzverein Jordsand, dessen Park als Naturerlebnisraum genutzt wird, entstehen Synergieeffekte. Der Standort Wulfsdorf gewinnt weiter an Attraktivität und Bedeutung auch über seine Grenzen hinaus.

In 17 Jahren wurde viel geschaffen. Es entstanden ca. 60 Arbeitsplätze. Besucher genießen die Atmosphäre des Hofes und der grüne Korridor zwischen Hamburg und Ahrensburg wird als schützenswerte Landschaft erhalten und belebt. Neue Bewohner haben sich in ökologisch verträglicher Weise angesiedelt. Zahlreiche Umweltaktivitäten erhalten eine gemeinsame Plattform und impulsieren sich wechselseitig. Das ist gelebte Entwicklung im Sinne der Agenda 21.
Die Menschen vom Gut Wulfsdorf und aus dem Umfeld freuen sich, dass ihre gemeinsamen Bemühungen mit einem Preis der Bundesregierung gewürdigt werden. Betriebsleiter Georg Lutz hat jedoch auch Grund zur Skepsis: „Mit dem Preis werden nicht nur wir als Preisträger, sondern wird die Bedeutung des ökologischen Landbaus insgesamt gewürdigt. Dessen Zukunft gilt es zu sichern und gute Bedingungen für seine vorhandene Wachstumsdynamik zu schaffen. Die Gentechnikfrage wird hier zur Existenzfrage. In den bisherigen politischen Entscheidungen der Bundesregierung kann ich kein Engagement erkennen, sicherzustellen, dass auch in Zukunft gentechnikfrei gewirtschaftet werden kann. Deutschland zählt in diesem Zusammenhang mittlerweile zu den Schlusslichtern in Europa. Soll die mit der Preisverleihung verbundene Anerkennung und Würdigung der ökologischen und gesellschaftlichen Leistungen unserer Betriebe nicht im Nachhinein zur Phrase verkommen, bedarf es zukünftig entsprechender politischer Entscheidungen. Noch scheint es nicht zu spät zu sein, allen, die gentechnikfrei wirtschaften wollen, dies auch für die weitere Zukunft zu ermöglichen. Ich fordere die Bundesregierung im Allgemeinen und Herrn Minister Seehofer im Besonderen auf, die dazu erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen.“